Ein Offsite planen,
    das bleibt.

    Sechs Schritte aus 25 Jahren Arbeit mit Führungsteams: von der ehrlichen Frage über den Ort bis zu der Verantwortung, die nach der Rückreise trägt.

    Dagmar Stübel9 Min. Lesezeit
    Führungsteam in einem Outdoor-Workshop bei Villa Sorriso in der Toskana

    Ein Offsite ist keine Veranstaltung. Es ist ein Eingriff in das System, das ein Team jeden Tag herstellt.

    Dauer

    Drei Tage, zwei Nächte

    Vorlauf

    Acht bis zwölf Wochen

    Gruppe

    Sechs bis vierzehn Personen

    Nachtermin

    Sechs bis acht Wochen danach

    Warum die meisten
    Offsites verpuffen.

    Das Programm als Schutz

    Je voller die Agenda, desto sicherer bleibt alles, wie es ist. Dichte ist kein Ersatz für Tiefe.

    Zu kurz gedacht

    Ein Tag reicht für Information. Für Vertrauen und Entscheidungen braucht ein Team gemeinsame Zeit ohne Rückfahrt.

    Kein Eigentum am Ergebnis

    Ergebnisse, die nur auf dem Flipchart stehen, gehören niemandem. Verantwortung braucht Namen.

    Sechs Schritte

    01 — 06

    Führungsteam im Gespräch im Garten von Villa Sorriso
    01Anlass

    Den Anlass klären, nicht das Programm

    Die meisten Offsites beginnen mit einer Agenda. Gute Offsites beginnen mit einer ehrlichen Antwort auf die Frage, warum dieses Team jetzt zusammen an einen anderen Ort fährt. Strategie, die feststeckt. Ein neues Führungsteam. Ein Konflikt, der in jedem Jour Fixe mitschwingt, aber nie benannt wird.

    Schreiben Sie den Anlass in einem Satz auf. Wenn dieser Satz nach Hochglanz klingt, ist es nicht der Anlass. Es ist die Fassade davor.

    Flipchart mit Post-its beim Finden der zentralen Frage
    02Diagnose

    Die Frage finden, die im Raum steht

    Vor jedem Offsite führen wir Einzelgespräche mit allen Teilnehmenden. Nicht um Themen zu sammeln, sondern um zu hören, was jede Person für unaussprechlich hält. Aus diesen Gesprächen entsteht die eine Frage, an der die Tage hängen.

    Ein Team, das an der falschen Frage arbeitet, arbeitet hart und bewegt nichts. Die richtige Frage ist meistens unbequem und immer präzise.

    Villa Sorriso in der Toskana
    03Ort

    Den Ort als Methode wählen

    Ein Ort ist keine Kulisse. Er entscheidet mit, wie tief ein Team geht. Tagungshotels reproduzieren den Büroalltag: gleiche Stühle, gleiche Rollen, gleiche Distanz. Ein Haus, in dem ein Team gemeinsam wohnt, kocht und isst, löst diese Ordnung auf.

    Drei Kriterien: Exklusivität für die Gruppe, echte Distanz zum Alltag, und Räume, die sowohl konzentrierte Arbeit als auch informelle Gespräche tragen. Der Weg zum Meer nach dem schwierigen Gespräch ist Teil der Methode.

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    Team plant die Tagesarchitektur auf der Terrasse
    04Architektur

    Die Architektur der Tage bauen

    Drei Tage sind das Minimum für echte Bewegung. Tag eins öffnet und benennt. Tag zwei geht in die Tiefe, dort wird es unbequem. Tag drei bindet und entscheidet. Wer zwei Tage plant, bekommt Tag eins und Tag drei, ohne das, was dazwischen liegt.

    Pro Tag höchstens zwei große Einheiten. Dazwischen Pausen, die lang genug sind, dass Gespräche entstehen, die nicht auf der Agenda stehen. Dort passiert oft die eigentliche Arbeit.

    Abendstimmung während eines Offsites
    05Offenheit

    Raum für das Unplanbare lassen

    Eine durchgetaktete Agenda ist ein Schutzmechanismus. Sie verhindert genau das, wofür das Offsite gemacht ist. Systemische Arbeit braucht die Möglichkeit, das Programm zu verlassen, wenn das Team an der entscheidenden Stelle ankommt.

    Planen Sie deshalb Halterungen, nicht Inhalte: Anfang, Ende, Rahmen. Was dazwischen entsteht, gehört dem Team.

    Team beim Abschluss eines Offsites
    06Wirkung

    Verantwortung verankern, bevor alle abreisen

    Die Frage ist nicht, wie gut das Offsite war. Die Frage ist, was es dem nächsten Montag schuldet. Am Ende braucht jede Vereinbarung einen Namen, ein Datum und eine Konsequenz, wenn sie nicht gehalten wird.

    Dazu gehört ein Termin sechs bis acht Wochen später, an dem das Team auf die eigenen Vereinbarungen schaut. Ohne diesen Termin bleibt das Offsite eine gute Erinnerung.

    Acht Punkte,
    bevor Sie buchen.

    01

    Der Anlass steht in einem Satz, den alle Beteiligten unterschreiben würden.

    02

    Einzelgespräche mit allen Teilnehmenden sind geführt und ausgewertet.

    03

    Der Ort ist exklusiv für die Gruppe und weit genug vom Alltag entfernt.

    04

    Mindestens drei Tage, höchstens zwei große Einheiten pro Tag.

    05

    Die Rollen sind geklärt: Wer führt, wer moderiert, wer hört zu.

    06

    Ein Teil der Zeit bleibt bewusst unverplant.

    07

    Jede Vereinbarung hat Name, Datum und Konsequenz.

    08

    Der Nachtermin in sechs bis acht Wochen steht im Kalender.

    Was Teams
    vorher wissen wollen.

    Wie lange sollte ein Offsite dauern?

    Drei Tage. Ein Tag reicht für Information, zwei Tage für gute Stimmung. Erst am zweiten Abend fallen die Sätze, um die es eigentlich geht.

    Wie viel Vorlauf braucht die Planung?

    Acht bis zwölf Wochen. Der größte Teil davon liegt nicht in der Logistik, sondern in den Einzelgesprächen, aus denen die Fragestellung entsteht.

    Für wie viele Menschen funktioniert das Format?

    Sechs bis vierzehn. Darunter fehlt die Reibung, darüber verschwinden die Leisen, und genau deren Beobachtungen sind meist die genauesten.

    Warum kein Tagungshotel?

    Weil ein Tagungshotel den Büroalltag nachbaut: feste Rollen, feste Zeiten, abends geht jeder auf sein Zimmer. Ein Haus, in dem ein Team gemeinsam wohnt, nimmt diese Ordnung weg. Das ist kein Komfortthema, es ist Methode.

    Woran erkennen wir, dass es gewirkt hat?

    Nicht am Feedbackbogen. Sondern daran, ob sechs Wochen später anders entschieden, anders widersprochen und anders delegiert wird als vorher.